Weiße Dörfer

File 359Es scheint, als ob ein gigantischer Farbtopf voller weißer Farbe auf die Dörfer im Hinterland der Costa del Sol gefallen wäre. Denn die teilweise sehr alten Häuser sind in unschuldig strahlendes Weiß getaucht. Unschuldig? Mitnichten: Hier, inmitten der Berge, suchten einst die Bandoleros (frei lebende Verbrecherbanden) Unterschlupf. Und heute? Bis zum heutigen Tag ist besonders das ländliche Andalusien von Großgrundbesitzern geprägt, die sich - so jedenfalls das Klischee - auf der Jagd vergnügen, während ihre Tagelöhner und Erntehelfer für niedrigen Lohn für sie schuften.

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Die Route der pueblos blancos lohnt sich deshalb, weil die Dörfer ihren maurisch-historischen und individuellen Charme haben - jedes Dorf ist ein bisschen anders, die Romantik des Verfalls kommt an jeweils unterschiedlichen Stellen zum Vorschein. Einige Höhepunkte unter den Weißen Dörfern sind Olvera und Setenil, Arcos de la Frontera, Casares und Castellar de la Frontera. Olvera ist dabei mit einer arabischen Alcazaba (Festung) und einer klassizistischen Kirche das vielleicht typischste Dorf. Spannend ist Setenil, denn wie viele der Weißen Dörfer ist auch jenes mehr oder minder in den Felsen hineingebaut: es gibt Häuser, die wie Höhlen anmuten und waghalsige Pfade auf Felsvorsprüngen.
File 122Als Wohnstatt sind viele der Häuser heute ungeeignet, doch als Kneipen fungieren sie umso besser. Arcos de la Frontera ist eines der schönsten Weißen Dörfer - auch hier schmiegen sich die Gebäude an den Felsen, aus dem Gewirr ragen wie Strupsen zwei Kirchtürme. Die Gassen zu erklimmen ist hier kein Zuckerschlecken, es lohnt aber die Aussicht vom höchsten Punkt des Ortes, Plaza del Cabildo. Während Casares ob der einfachen Bergdorfschönheit verzückt, ist in Castellar de la Frontera die geschichtliche Prägung besonders interessant - heute ist es ein Aussteigerdorf mit außergewöhnlichem Charisma und einer Burg.

Ein guter Ausgangspunkt für eine Tour der Weißen Dörfer ist Ronda, das Städtchen über der Schlucht, das sich auf besondere Weise an die raue Felslandschaft angepasst hat.