Semana Santa (Sevilla)

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Die Semana Santa, die heilige Karwoche vor Ostern, wird in Andalusien besonders ausgiebig zelebriert. Sehenswert sind dabei die Umzüge, die in Sevilla am eindrucksvollsten sind.

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Beginnend am Palmsonntag, ziehen dabei Bruderschaften (Cofradías) durch die Stadt und tragen dabei opulent geschmückte Heiligenschreine - mit Christus- oder Marienfiguren oder gar ganzen Passionsszenen. Dabei braucht es für einen Schrein bis zu 30 starke Männer, die Träger, die unter Tüchern verdeckt die Schmuckwerke durch die engen Gassen schleppen. Insgesamt gibt es um die 50 prächtigen Prozessionen in den verschiedenen Stadtteilen. In der Nacht auf den Karfreitag bis in die frühen Morgenstunden findet dann die Gesamtprozession statt: mit insgesamt knapp 60 Bruderschaften geht es bis zur Kathedrale. Die barfüßigen Büßer (nazarenos) mit ihren Kutten, Spitzhüten, Kreuzen auf dem Rücken und Kerzen in den Händen sowie dumpfe Trommelrhythmen und Klagelieder geben dem Ganzen einen unheimlichen Touch.

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Die Umzüge sind für den ausländischen Betrachter aber nicht nur der audiovisuellen Reize wegen ein außergewöhnliches Erlebnis. Auch die Ambivalenz von Buße und Trauer auf der einen sowie Feier, Genuss und Tanz auf der anderen Seite ist beeindruckend und bisweilen befremdlich. Es mag jedenfalls den Anschein haben, dass das Osterfest der Auferstehung hier bereits in der Karwoche gefeiert wird. Der Gast muss sich also auf eine einzigartige Melange aus Bedächtigkeit und Ausgelassenheit einstellen.