Málaga

File 329Lange Zeit galt Málaga lediglich als der Ort, an dem die meisten Urlauber - darunter insbesondere Engländer und Deutsche - auf die gesamte Costa del Sol verteilt wurden. Das verwundert kaum; ist der Flughafen in Málaga doch der größte Andalusiens und die Stadt nach Sevilla die zweitgrößte. Doch dieses Klischee kann in der Zwischenzeit getrost zu den Akten gelegt werden. Málaga - mit rund 600.000 Einwohnern eine Stadt von der Größe Frankfurts - hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer facettenreichen Kunst- und Kulturstadt gemausert.

Das Zentrum Málagas schmeichelt dem Fußgänger: die feinen, sauberen Gässchen erstrecken sich über die gesamte Altstadt und bilden ein schmuckes Labyrinth voller Boutiquen, Cafés, Museen und Renaissance-Gabäuden. In dieser autofreien Zone fühlt man sich keineswegs wie in einer Großstadt - sondern eben wie in einem ruhigen Urlaubsresort. Ihr Übriges tut die Vegetation: Im Mai blühen die Jacaranda-Bäume in sattem Flieder, an so mancher Mauer klettert der Jasmin empor und die Alleen sind von Orangenbäumen und, natürlich, Palmen umsäumt. Dabei kann von Niederschlag lediglich an rund 70 Tagen im Jahr die Rede sein. Eine Sonnenstadt an der Sonnenküste.

File 236Zum Ausgehen eignet sich das Viertel Pedregalejo hervorragend. Hier, sechs Kilometer östlich des Zentrums, reiht sich an der Strandpromenade ein Fischrestaurant an das andere; zudem gibt es reichlich Bars. Von Donnerstag bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags kann man ausgiebig feiern. Aber auch tagsüber bietet sich Pedregalejo an: zum Baden ist der in kleine U-förmige Buchten aufgeteilte Strand auch für Familien ideal. Mit Massenurlaub, hotelgesäumten Promenaden und überfüllten Küstenlinien hat Málaga in der Tat wenig gemein.

 

Die Geburtsstadt Picassos

Den Meilenstein für die positive Entwicklung Málagas bildete die Eröffnung des Picasso-Museums im Jahr 2003 in der calle San Augustín (geöffnet Di-Do und So 10-20 Uhr, Fr-Sa 10-21 Uhr). Von nun an konnten die kubistischen und surrealistischen Werke des andalusischen Genies auch in seiner Geburtsstadt besichtigt werden. Auf der Plaza de la Merced steht überdies das Geburtshaus von Picasso (geöffnet Mo-So, 9.30-20 Uhr), in dem seine Lebensumstände zur Schau gestellt werden und es zahlreiche Informationen und Souvenirs zu dem Künstler gibt.

Seitdem sich Málaga als Europäische Kulturhauptstadt 2016 beworben hat, schießen die Kulturstätten aus dem Boden - auch wenn sie sich gegen San Sebastian und Breslau nicht durchsetzen konnte. Erst 2011 wurde das Carmen Thyssen Museum eröffnet; mit einer exquisiten Sammlung der spanischen Kunst des 19. Jahrhunderts - also Gemälde der Romantik und des Naturalismus mit zahlreichen andalusischen Motiven eine überaus edle Alternative zum Postkartenkiosk (calle Companía, geöffnet Di-So 10-20 Uhr). 2012 sollen das Archäologische Museum sowie das Museum der Schönen Künste neu eröffnet werden. Weitere Museen, darunter eines über die Meereswelt, werden folgen.

 

Am Meer und in den Bergen zugleich

File 392Was an Málaga besonders besticht, ist der Facettenreichtum der Stadt. Rund 20 Kilometer zieht sie sich zwischen dem Gebirge und der Costa del Sol in die Länge. Nach einer anstrengenden Bergwanderung kann man somit den Sonnenuntergang am Strand genießen. Eine besondere Empfehlung für Naturfreunde (und Freunde der Archäologie sowie romantische Zeitgenossen) ist der botanisch-historische Garten La Concepción. Dieser beherbergt knapp 3.000 Pflanzenarten aus fünf Kontinenten und archäologische Fundstücke gleichermaßen und ist im landschaftsgestaltenden Stil angelegt. Eine Oase für Verliebte und solche, die es werden wollen, an der nördlichen Stadtgrenze Málagas, fünf Kilometer vom Zentrum (geöffnet täglich 9.30-20.30 Uhr im Sommer, 9.30-17.30 im Winter).

Trotz der vielseitigen Landschaft - vom rauhen Gebirge über den lieblichen Badestrand bis hin zum urwaldartigen Garten - ist Málaga letztendlich eine Großstadt und bietet auch deren Vorzüge. So kann man in der Haupteinkaufsstraße Calle Larios wunderbar shoppen. Auch das kulinarische Erlebnis lässt keine Wünsche offen. Während sich Fischliebhaber an den bereits erwähnten Strandrestaurants laben können, gibt es für Vegetarier (aber nicht nur für die) eine moderne Alternative: In der neuen Restaurantkette des spanischen Starkochs Daniel García, "lamoraga", werden traditionelle Tapas neu interpretiert (calle Fresca, geöffnet: Mo-Sa 13-16 Uhr und 20-23 Uhr, So 13-16 Uhr). Aber auch die zahlreichen Bodegas bieten Schmankerl, im Besonderen für Weinliebhaber.

 

Die Stadt, die schon immer Gegensätze in sich vereint

File 426Vielleicht hat die Vielseitigkeit Málagas, die Ambivalenzen der ruhigen Großstadt, der trockenen Stadt mit üppiger Vegetation, der Stadt der Bergtouren und Badestrände nicht zuletzt einen historischen Hintergrund. Schließlich war Málaga lange Zeit zugleich von Mauren, Christen und Juden bevölkert. Bis 1487 lebten sie hier friedlich zusammen. Und heute noch sieht man die Spuren der vertriebenen Mauren überall in der Stadt: sei es die Residenz der maurischen Herrscher Alcazaba aus dem 11. Jahrhundert oder die bezaubernde Markthalle mit einem Hufeisenbogen aus weißem Jaspis. Auch architektonisch ist also neben all den eindrucksvollen Renaissancebauten eine bemerkenswerte Vielfalt erkennbar.