Kulinarisches aus Andalusien

Die Essensgewohnheiten in Andalusien sind einerseits geprägt von der Mittelmeercuisine, andererseits sind deutlich orientalische Einflüsse zu spüren. Auch vor Speis und Trank hat der Einfluss der Mauren nicht Halt gemacht. Natürlich trägt das warme und sonnige Klima eine Mitschuld an sündigem Weingenuss, reifen Zitrusfrüchten und güldenem Olivenöl. Vor allem geht es beim Essen in Andalusien aber um Kommunikation und Gemütlichkeit - über Kalorien sollte man hier nicht nachdenken. Aber der Reihe nach ...

Desayuno: Das Frühstück fällt wie meist in mediterranem Raum eher mickrig aus. Eine Tasse Kaffee und Marmeladenbrot oder Röstbrot mit Olivenöl, Pfeffer und Salz werden traditionell in der Früh gegessen. Die beste Olivenöl-Qualität erkennt man an der amtlich kontrollierten Herkunftsbezeichnung "D. O." (=Denominación de Origen). Den Kaffee gibt es in verschiedenen Längen und Größen; ein "café solo" ist ein schwarzer Kaffee, "cortado" ist ein Espresso mit Milch, "café con leche" ein Kaffee mit Milch. In Málaga wird augenscheinlich besonders gerne Kaffee getrunken - denn es gibt acht unterschiedliche Größen und Formen, jede anders benannt. Und das schließt noch keine Kaffeespezialitäten ein, sondern beschreibt lediglich die Menge und das Kaffee-Milch-Verhältnis.

Almuerzo / Comida: das ist das zweite Frühstück oder auch das Mittagessen. Als zweites Frühstück findet es am späteren Vormittag statt. Das Mittagessen - auch comida genannt - findet nicht vor 14 Uhr statt. Hierbei empfiehlt es sich, den Gazpacho zu probieren. Das ist eine kalte Gemüsesuppe, die gerade in der heißen Mittagszeit gerne gegessen wird. Sie besteht meist aus Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Gurken und Knoblauch. Eine der vielen Suppen- und Eintopfalternativen ist der Kirchererbseneintopf Potaje de Hinojos. Als Hauptspeise wird Fleisch oder Fisch serviert; Vegetarier haben es in Andalusien schwer. Eine Spezialität insbesondere der Strandrestaurants sind die Espetos de Sardinas, mit Meersalz gewürzte Sardinen am Spieß. Darüber hinaus werden oft Miesmuscheln und andere Früchte oder gefüllter Tintenfisch angeboten.

Merienda: Nach der Siesta gibt es ein kleines Kaffeekränzchen, also wieder Kaffee oder aber ein Glas Sherry, den süßen Dessertwein aus Jerez de la Frontera, sowie Süßgebäck - zum Beispiel pan de higo (Feigenbrot).

File 371Cena: Das Abendessen beginnt im Süden Spaniens allerfrühestens um 21 Uhr, meist nach 22 Uhr. Wer als Tourist um 20 Uhr bereits auf der Matte steht, findet nicht selten verschlossene Türen oder zumindest ein menschenleeres Restaurant vor. Bis zum eigentlichen Abendessen kann man sich die Zeit - und den Hunger - mit kleinen Appetithäppchen vertreiben, den berühmten Tapas. Das können herzhafte Oliven sein, eingelegtes Gemüse, Linsenzubereitungen oder auch Schinken und Wurst. Das Abendessen ist meist besonders deftig, so gibt es Ochsenschwanzragout oder Lamm, mitunter auch Wilddelikatessen wie Rebhuhn oder Wachtel. Für empfindliche Mägen sind die Speisen - mit viel Knoblauch und Fett sowie bisweilen pikanten Gewürzen zubereitet - durchaus gewöhnungsbedürftig. Eine bekannte Alternative stellt die spanische Paella dar - die es übrigens auch in fleischloser Form gibt. Die Auswahl an Weinen ist in Andalusien exquisit - besonders die Weißweine der Rebsorten Pedro Ximénez und Moscatél stechen hervor, aber auch die Süßweine sind einen Versuch wert, vor allem zum Dessert. Nachtischspeisen werden oft mit Mandeln, Orangen und Feigen zubereitet und geben der Speisekarte einen orientalischen Touch.